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Hier finden Sie alle News zum Zukunftstag ALTENPFLEGE 2018

26.1.2018 – Das Projekt PFLEGEprevent läuft an

Kaum eine Branche in Deutschland ist durch den gegenwärtigen Fachkräftemangel so stark betroffen wie die Pflege. Darüber hinaus steigt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland rapide. Das Ergebnis ist, dass diese gegenläufige Entwicklung zu einer erhöhten Stressbelastung der eingesetzten Pflegefachkräfte führt. Um einer chronischen Überlastung entgegenzuwirken, hat der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), der Bayerische Heilbäder-Verband und der Lehrstuhl für Public Health und Versorgungsforschung an der LMU München das Pilotprojekt PFLEGEprevent zur betrieblichen Gesundheitsförderung auf den Weg gebracht.
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Schon im Frühjahr 2017 wurden mittels eines Fragebogens bundesweit rund 1.400 Pflegekräfte in über 6.000 Einrichtungen zu ihrer körperlichen und psychischen Arbeitsfähigkeit befragt. Dabei gaben 40 Prozent der Befragten an, dass sie ihre körperliche und psychische Arbeitsfähigkeit mäßig bis kritisch einschätzen. Diese besorgniserregende Erkenntnis wird ebenso durch den BKK-Gesundheitsatlas 2017 bestätigt. Danach haben Beschäftigte in der Altenpflege mit durchschnittlich etwa 24 Arbeitsunfähigkeitstagen mehr als eine Kalenderwoche höhere Fehlzeiten als alle Beschäftigten im Bundesdurchschnitt. Darauf folgen die Beschäftigten in der Gesundheits- und Krankenpflege mit etwa 19 Tagen pro Jahr. Gründe dafür sind häufig Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie psychische Belastungen allesamt Symptome, die nach Expertenmeinung eng mit den speziellen Arbeitsbelastungen verknüpft sind.
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Aus den Ergebnissen der Umfrage von PFLEGEprevent wurde ein speziell auf die Bedürfnisse der Pflegekräfte ausgerichtetes Präventionsprogramm abgeleitet. Denn eine große Mehrheit der Befragten steht einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement positiv gegenüber und würde an einem Präventionsprogramm teilnehmen. Gerade die Bereiche Entspannungseinheiten, Bewegungsangebote und aktive Rückenschule sollten dabei eine Rolle spielen. Für ebenso relevant hielten die Teilnehmer Schulungen zu Themen, wie Teamarbeit stärken“. Das Programm beginnt im Februar 2018 mit einem fünftägigen Gesundheitscoaching im bayerischen Staatsbad Bad Reichenhall-Bayerisch Gmain. Die erste Gruppe startet im Februar 2018, eine weitere Gruppe im November dieses Jahres. Drei und sechs Monate nach dem Kuraufenthalt soll es für die Teilnehmer einen Auffrischungstag geben, der das Gelernte festigen soll und in Wohnortnähe durchgeführt wird. Insgesamt werden 100 Teilnehmer das Pilotprojekt durchlaufen. Mit alltagsnahen Trainings zu Bewegungsabläufen und Arbeitsorganisation werden die Pflegekräfte dabei unterstützt, mit der hohen Stressbelastung in ihrem Arbeitsalltag umzugehen und einem Burn-out oder chronischer Überlastung vorzubeugen. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse wird das Programm fortgeschrieben und im Bedarfsfall zur Übertragbarkeit auf andere Kurorte angepasst. Bei Erfolg des Projektes, soll eine Zertifizierung für das Präventionsprogramm erreicht werden, damit Pflegekräfte in Deutschland das Programm von der Krankenkasse finanziert nutzen können.
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Auch auf dem Zukunftstag ALTENPFLEGE 2018 in Hannover ist das Thema Arbeitsbedingungen und Auswirkungen auf die Pflegekräfte ein zentrales Thema. Besuchen Sie u.a. den Vortragsblock 24: Gute Arbeitsbedingungen für die Pflege“ und erfahren Sie, wie Sie oder Ihre Angestellten trotz Stress möglichst lange gesund bleiben. Mehr Informationen finden Sie hier.

 

24.1.2018 – Das Interview mit Dr. Hanno Heil, 1. Vorsitzender des Verbandes katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. (VKAD)

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1. Um geeignetes Personal für die Pflege zu gewinnen, fordert ihr Verband, die Arbeits- und Rahmenbedingungen für die Pflegeberufe zu verbessern. Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie in diesem Zusammenhang vor?

Die seitens der Bundesregierung im Dezember 2012 gestartete „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“ hat erfolgreich an den Rahmenbedingungen der Berufe in der Altenpflege gearbeitet. Ihr Erfolg beruhte darauf, dass hier alle wesentlichen Akteure, Bund, Länder, Arbeitsagentur, Leistungserbringer, Berufsverbände an einem Tisch zusammengeführt wurden. Dieser Tisch muss wieder neu zusammenkommen, natürlich vor dem Hintergrund des neuen Pflegeberufsgesetzes, aber mit einem spezifischen Blick auf die Berufe in der Langzeitpflege. Wir könnten dort z.B. das Thema der vorbehaltenen medizinisch-pflegerischen Aufgaben der Pflegefachkräfte wieder aufgreifen.

2. Ehrenamtlich Tätige leisten bei der Pflege in Deutschland einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Ihr Verband fordert, dass der Begriff des Ehrenamtes in der Gesetzgebung trennscharf definiert werden sollte. Wieso sehen Sie hier Handlungsbedarf?

Ehrenamtliches Engagement soll berufliches Handeln ergänzen, aber niemals ersetzen. Deshalb gilt es darauf zu achten, dass in den Sozialgesetzbüchern der Begriff „Ehrenamt“ nicht missverständlich gefasst wird. So bietet z. B. das Pflegeversicherungsgesetz die Möglichkeit, den Einsatz von Freiwilligen in niederschwelligen Betreuungsangeboten finanziell zu fördern. Zeitlich intensive und anspruchsvolle Betreuungstätigkeiten werden durch diese gesetzliche Möglichkeit häufig als Stundenvergütung mit pauschalen Aufwandsentschädigungen – meist im Rahmen der Übungsleiterpauschale – honoriert. Diese monetarisierte Form von Engagement mit Stundenvergütungen ist wichtig und wird vielfach praktiziert, doch ist dies nach unserem Verständnis kein Ehrenamt, sondern eine steuerbegünstigte nebenberufliche Tätigkeit, die nach § 3 Nr. 26 EStG steuerfrei bleibt und nach § 14 Absatz 1 Satz 3 SGB IV auch nicht sozialversicherungspflichtig ist. Wir fordern deshalb die missverständliche Verwendung des Begriffs „Ehrenamt“ in der Gesetzgebung zu ändern und trennschärfer zu definieren. So sollte z.B. im Kontext des Begriffs Ehrenamt der Begriff „Aufwandsentschädigung“ durch den Begriff „Auslagenersatz“ ersetzt werden.

3. Was wünschen Sie sich von der neuen Bundesregierung? Welche Probleme sollten zuerst angegangen werden?

Mit der seit über zwei Jahrzehnten ausgebliebenen Refinanzierung der medizinischen Behandlungspflege aus der Krankenversicherung werden den Altenheimen Milliardenbeträge für die pflegerische Versorgung ihrer Bewohner vorenthalten. Diese Gerechtigkeitslücke ist dringend zu schließen.

Auch in der Dynamisierung der Leistungsbeiträge der Pflegeversicherung sind wir mit der derzeitigen Regelung des § 30 SGB XI noch nicht zufrieden. Wir wünschen uns eine jährliche Anpassung der Leistungsbeträge an die tatsächlichen Lohn- und Sachkostensteigerungen.

Unstrittig ist für uns, dass Pflegekräfte eine tarifliche Entlohnung erhalten sollten. Die Refinanzierung der tariflichen Vergütung für die Mitarbeitenden in der häuslichen Krankenpflege muss gesetzlich verankert werden. Wir fordern, dass die Klarstellung zur Geltung der Tarifbindung, die im SGB XI bereits formuliert ist, auch analog in das SGB V eingearbeitet wird.

4. Worauf freuen Sie sich besonders auf dem Zukunftstag 2018?

Auf interessante Vorträge, bereichernde Gespräche und Begegnungen, neue Erkenntnisse und natürlich auf die Session, an der ich selber beteiligt bin, zur Spiritualität in der Pflege.

 

19.1.2018 – Das Thema Pflege in den Sondierungsverhandlungen – eine Bestandsaufnahme

Die Sondierungsverhandlungen zwischen SPD und Union sind beendet worden. Das Ergebnis ist ein 28-seitiges Papier, das die Kernpositionen der Parteien zu unterschiedlichen Politikfeldern enthält. Auch die Pflege spielt darin eine entscheidende Rolle.

In der finalen Fassung des Sondierungspapiers ist das gemeinsame Ziel von SPD und Union formuliert, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung im Pflegesektor „sofort und spürbar zu verbessern“.  Dafür werden „Sofortmaßnahmen für eine bessere Personalausstattung in der Altenpflege und im Krankenhausbereich ergriffen und zusätzliche Stellen zielgerichtet gefördert”. 8.000 neue Fachkraftstellen sollen geschaffen werden. Ziel ist es, die Bezahlung der Altenpfleger nach Tarif zu stärken und mithilfe der Tarifpartner eine flächendeckende Anwendung der Tarifverträge in Deutschland zu erreichen. Neben den Sofortmaßnahmen streben die Parteien weitere Schritte an. Dazu gehören eine Ausbildungsoffensive, Anreize für eine bessere Rückkehr von Teil- in Vollzeit, ein Wiedereinstiegsprogramm, eine bessere Gesundheitsvorsorge für die Beschäftigten sowie eine Weiterqualifizierung von Pflegehelfern zu Pflegefachkräften. Ebenfalls zu entwickeln seien neue verbindliche Personalbemessungsinstrumente. Die Situation der Altenpflege soll durch die „Konzentrierte Aktion Pflege“ bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Diese Aktion beinhaltet besonders die Unterstützung von pflegenden Angehörigen.

Das Echo auf die erzielten Ergebnisse ist weitestgehend positiv. Prof. Christel Bienstein, Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe (DBfK), lobt die angestrebten „sofortigen und spürbaren“ Verbesserungen bei der Personalausstattung und den Arbeitsbedingungen.  Der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Wolfgang Stalder, begrüßt die geplanten Verbesserungen ebenfalls. Er merkt jedoch an, dass „diese Verbesserungen vollständig refinanziert werden“ müssen und die Kosten nicht auf Pflegebedürftige oder Einrichtungen abgewälzt werden dürfen. Die Frage nach den Kontenträgern stellt ebenso Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa). Skeptisch, ob die geplanten 8.000 neuen Stellen ausreichen werden, ist Professor Frank Weidner, Leiter des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln (DIP). Er bezeichnet die Zahl angesichts der 13.500 stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland, als „nichts Halbes und nichts Ganzes“.

Das Sondierungspapier beinhaltet die vorläufigen Eckpunkte, anhand derer die zukünftige Koalition die Pflegepolitik ausrichten wird. Details sind jedoch noch weitestgehend unklar. Am Sonntag will die SPD auf ihrem Parteitag zunächst entscheiden, ob sie in Verhandlungen mit der Union zur Bildung einer Großen Koalition gehen wird. Erst danach können konkrete Pflegeperspektiven aufgezeigt werden.

Die Eckpunkte der Pflegepolitik werden auch auf dem Zukunftstag ALTENPFLEGE 2018 eine zentrale Rolle spielen. Thematisiert werden wird, was die Ziele der möglichen Koalition für Sie bedeuten und an welchen Stellen noch deutlicher Handlungsbedarf besteht. Wir freuen uns auf Sie!

 

17.1.2018 – Das Interview mit Franz Wagner, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe e.V. (DBfK)

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1. Ihr Verband setzt auf die Förderung des Community Health Nursing. Was genau verbirgt sich dahinter und wie kann dieser Ansatz zu einer verbesserten Versorgung pflegebedürftiger Menschen beitragen?

Hintergrund für Community Health Nursing (CHN) sind die sich verändernden Versorgungsbedarfe in Deutschland. Wir werden immer älter, immer mehr Menschen leben alleine, es gibt eine Landflucht und soziale Faktoren spielen eine immer größere Rolle bei der Entstehung von Krankheit und Pflegebedürftigkeit. Das bedeutet, die aktuellen Angebote reichen qualitativ und quantitativ nicht mehr aus. Das Leistungsspektrum in der Primärversorgung muss erweitert werden. Insbesondere chronisch kranke Menschen benötigen andere Versorgungsangebote, die Begleitung im Kranksein bieten. Es werden Schulungen, Beratungen und Edukation benötigt, Anleitung zum Selbstmanagement und die Vermittlung von Copingstrategien. CHN ist eine international verbreitete und bewährte Rolle der professionellen Pflege in der Primärversorgung. Speziell dafür ausgebildete Pflegefachpersonen arbeiten zum Beispiel in strukturschwachen Regionen in Versorgungszentren interdisziplinär mit anderen Gesundheitsberufen zusammen, um die Versorgung sicherzustellen. Das reicht vom Assessment des Gesundheitszustandes bis hin zur pflegerischen Versorgung bei spezifischen Patientengruppen oder Pflegebedürftigkeit. In Ballungszentren sind es eher soziale Brennpunkte und soziale Einflüsse auf Gesundheit als Ursache von Unterversorgung. Hier wäre eine Anbindung z. Bsp. an das Quartiersmanagement sinnvoll. In diesem Kontext ist auch über die Aufgabenverteilung zwischen den Gesundheitsberufen zu diskutieren, damit eine möglichst effiziente und kontinuierliche Versorgung gewährleistet ist.

2. Sie fordern, dass Arbeitsplätze so gestaltet sein müssen, dass eine lebenslange Berufsausübung und ein gesundes Erreichen des Rentenalters möglich sind. Wo würden Sie hier ansetzen?

Zentrale Anforderung ist hier, dass wir besser ausgestattete Stellenpläne brauchen. Es ist vor allem Überlastung, die die Pflegefachpersonen krank macht oder aus dem Beruf treibt. Wir benötigen auch mehr Karrierechancen in pflegerischen Rollen nahe am Bewohner/Patienten. Karrieren, die es erlauben, die im Lauf des Berufslebens erworbene Erfahrung und Kompetenzen, sinnvoll einzubringen. Und nicht zuletzt ist Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz endlich ernst zu nehmen. Bei all diesen Aspekten haben wir kein Erkenntnisproblem sondern ein Umsetzungsproblem. Es braucht den Willen von Politik, Trägern und Kostenträgern etwas zu verändern. Und die Pflegenden selber müssen deutlicher einfordern was sie brauchen.

3. Was erhoffen Sie sich vom Zukunftstag ALTENPFLEGE?

Vom Zukunftstag Altenpflege erhoffe ich mir viele neue Informationen und Begegnungen, Impulse für die weitere Arbeit und nicht zuletzt eine Botschaft in die Gesellschaft hinein, dass Pflege ein tolles Berufsfeld ist aber die Gesellschaft das endlich durch Bereitstellung von Ressourcen auch materiell anerkennen muss.

 

13.12.2017 – Das Interview mit Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe e. V. (VDAB)

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1. Die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs war ein wichtiger Bestandteil der Pflegereform. Wie hat sich Ihrer Meinung nach der Pflegebedürftigkeitsbegriff in der Praxis bewährt?

Hier lohnt ein differenzierter Blick. Als Grundlage für die fachliche Einschätzung des Umfangs von Pflegebedürftigkeit hat sich der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bewährt. Vor allem Pflegebedürftige mit geistigen Einschränkungen profitieren. Im Hinblick auf die leistungsrechtlichen Folgen aus den neuen Pflegegraden ist das Fazit nicht so positiv, denn die Einstufungspraxis der Medizinischen Dienste ist eher zurückhaltend und der Gesetzgeber hat durch die Ausgestaltung der Leistungsbeträge Pflegebedürftige in niedrigen Pflegegraden vor allem bei stationärer Versorgung deutlich benachteiligt. Inwieweit das viel zitierte neue Pflegeverständnis in der Praxis tatsächlich Einzug halten kann, ist nicht nur eine Frage angepasster Einrichtungskonzepte und Mitarbeiterfortbildungen, sondern im ambulanten Bereich vor allem auch eine Frage der Bereitschaft von Pflegekassen auf Landesebene, entsprechende Rahmenverträge und Vergütungsvereinbarungen abzuschließen. Insgesamt bleibt also abzuwarten, ob alle beabsichtigten Effekte auch eintreten werden.

2. Welche Erwartungen und Forderungen richten Sie an die nächste Bundesregierung? Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf?

Trotz der Jahrhundertreform der Pflegeversicherung durch die Pflegestärkungsgesetze sind aus unserer Sicht die zentralen Herausforderungen noch nicht gelöst, damit jeder, der professionelle Pflege braucht, sie in Zukunft auch bekommen kann.

  1. Die nachhaltige Finanzierbarkeit von professioneller Pflege für Pflegebedürftige ist nicht gesichert. Wir plädieren dafür, dass die Pflegeversicherung grundsätzlich alle pflegebedingten Aufwendungen trägt. Das SGB XI sollte dann auch nur zu den finanzierten Leistungen verbindliche Vorgaben zu Inhalt und Qualität macht. Daneben sollte der Markt und der Wettbewerb unter den Anbietern wirken.
  1. Die flächendeckende Versorgung mit professioneller Pflege ist nicht gesichert. Die neue Bundesregierung muss hier dringend Antworten auf die demografischen Herausforderungen geben, denn familiäre, ehrenamtliche und professionelle ambulante Leitungen werden nicht ausreichen. Der Grundsatz ambulant vor stationär kann nur für die individuelle Versorgungskette gelten, keinesfalls aber für die Ausgestaltung des Pflegemarktes.
  1. Selbst bei Mobilisierung aller Ressourcen, wird es in der Zukunft zu Versorgungsengpässen kommen, auch wenn der Anteil der Pflegebedürftigen gleich bleibt. Deshalb muss die neue Bundesregierung ihren Fokus auch auf die Vermeidung von Pflegebedürftigkeit legen. Vor allem die geriatrische Rehabilitation darf nicht länger ein Schattendasein fristen, sondern muss elementarer Bestandteil der Versorgung werden.
  1. Der bereits eklatante Fachkräftemangel wird sich noch weiter verstärken. Die neue Bundesregierung muss hier auf zwei Feldern dringend aktiv werden. Zum einen muss sie den Altenpflegeberuf auch nach der Reform der Pflegeausbildung attraktiv halten. Durch die Zusammenführung der Pflegeberufe entsteht auch ein Arbeitsmarkt, auf dem die Unternehmen der Altenpflege konkurrenzfähig sein müssen. Es darf keinesfalls dazu kommen, dass die Altenpflege nur das Personal erhält, das ihr Krankenhäuser überlassen. Das ist vor allem eine Frage gleicher Lohnniveaus. Zum anderen braucht es einen Abbau bürokratischer Faktoren die den Mangel verschärfen. Dabei sind vor allem die fachliche Fundierung der Fachkraftquote und die Möglichkeit der Anerkennung von Qualifikationen zentrale Themen.

3. Was hat Sie bewogen, 2018 Partner auf dem Zukunftstag ALTENPFLEGE zu werden?

Für uns als Trägerverband in der Privaten Professionellen Pflege ist die Zukunft der Altenpflege natürlich das elementare Thema. Der Zukunftstag ist die zentrale Plattform für Austausch und Impulse, die wir gerne mit unserem Engagement und unserer Expertise begleiten. Dabei liegt unser Fokus natürlich auch auf der Rolle privater Pflegeunternehmen. Denn ohne private Investitionen werden die Herausforderungen der Zukunft nicht zu bewältigen sein. Das setzt auch politisch die Akzeptanz vom Unternehmertum im Pflegebereich voraus.

4. Welche Vorteile bietet der Zukunftstag ALTENPFLEGE für Sie?

Der Zukunftstag bringt ein Mal im Jahr die Branche zusammen. Der Austausch mit allen, die für professionelle Pflege Verantwortung tragen ist wichtig, um gemeinsam die Altenpflege erfolgreich in die Zukunft auszurichten.

 

11.12.2017 – Das Interview mit Miriam von Bardeleben, Verlagsleiterin und Gastgeberin des Zukunftstags ALTENPFLEGE 2018

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1. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher auf dem Zukunftstag 2018?

Im Verlauf des Messekongresses „Zukunftstag ALTENPFLEGE“ vom 6. bis 8. März 2018 erhalten Sie von unseren Experten eine grundlegende Darstellung zu allen aktuell relevanten Themen der Pflege. Es erwartet Sie ein informativer Überblick über die derzeitige Situation der Pflege und die Vorhaben der neuen Bundesregierung. Diskutieren Sie diese wichtigen Neuerungen, Weichenstellungen und Maßnahmen mit führenden Fachleuten und Praktikern aus der Altenhilfe, die im Kongresszentrum und in den Messehallen zu einem intensiven Austausch mit Ihnen bereit sind.

2. Welche Highlights wird es geben?

Wie in allen Bereichen spielt auch in der Altenhilfe die Digitalisierung eine große Rolle, deren Auswirkungen nur schwer einzuschätzen sind. Kaum ein Thema wird so oft als entscheidendes Zukunftsthema genannt. Neben den Chancen sollen sich die im Rahmen der Umsetzung ergebenden Anforderungen an Anbindung und Umstellung der Prozesse im Pflegealltag und im Management erörtert werden. Wir bieten Ihnen hilfreiche Einblicke und wegweisende Einsichten in die innovativen Entwicklungsmöglichkeiten durch die Digitalisierung im stationären wie im ambulanten Pflegebereich.

3. Wo liegen die thematischen Schwerpunkte im Kongress?

Die Begriffe personenzentriert, bewohnerorientiert, familienfreundlich bedeuten, dass der Mensch im Mittelpunkt der Altenhilfe stehen muss. Das gilt auch für die Mitarbeiter in der Pflege. Unser Messekongress stellt daher die wichtigen Themen Personalstruktur, Fachkräftebindung, Arbeitsbedingungen und Entlohnung in den Vordergrund. Gleichermaßen widmen wir uns dem Thema Qualitätssicherung und dem Problem der Pflegenoten. Kommen Sie mit Ihren eigenen drängenden Fragen nach Hannover, bringen Sie sich in die Diskussion mit unseren zahlreichen Referenten und der großen Zahl der teilnehmenden Fachleute ein. Diskutieren und gestalten Sie mit! Gemeinsam schaffen wir eine zukunftsfähige Basis für eine exzellente, auf die Lebensqualität der Pflegebedürftigen ausgerichtete Altenhilfe in Deutschland. Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und eine erfolgreiche, produktive Zusammenarbeit.

 

28.11.2017 – Das Interview mit Dr. Bodo de Vries, neuer Vorstandsvorsitzender des Deutschen Evangelischen Verbands für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP)

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1. Mit der Generalistik werden die drei Pflegeberufe eine einheitliche Ausbildung bekommen. Halten Sie dies für den richtigen Weg?

Der eingeschlagene Weg ist richtig. Die gesetzgeberische Umsetzung ist jedoch nicht zielführend. Eine Übergangslösung zu beschließen, in der neben der generalistischen weiterhin die bisherigen drei Ausbildungen parallel möglich sind, also die der spezialisierten Altenpflege und der Generalistik, und die notwendige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (APO) vom neuen Bundestag mit offenem Ausgang erst in 2018 beschließen zu lassen, ist sowohl für die Pflegeschulen wie für die Ausbildungsbetriebe sehr problematisch. Auf was sollen Schulen und Betriebe sich einstellen? Ein fundiertes, auf die APO aufbauendes Curriculum schüttelt keine Schule einmal eben aus dem Ärmel.  Gerade in den dezentralen und wohnortnahen Pflegeschulen wird es kaum möglich sein, mehrere Ausbildungsgänge (Altenpflege, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege, Generalistik) parallel, insbesondere mangels ausreichender Teilnehmerzahlen, durchzuführen.  Aus der Perspektive junger Menschen, die sich für diese Ausbildung entscheiden sollen, wirken diese Fragestellungen und politischen Auseinandersetzungen wenig motivierend und bedürfen einer sehr zeitnahen klaren Orientierung.

2. Ihr Verband sieht die stationäre Pflege gegenüber der ambulanten Pflege im Nachteil. An welchen Stellen äußert sich diese Benachteiligung?

Aus Sicht der Einrichtungen entscheidet heute nicht der Pflege- und Betreuungsbedarf über den richtigen und für die individuellen Bedingungen passenden Wohnort. Vielmehr entscheidend sind die Finanzierungsbedingungen. Die Leistungen der Pflegeversicherung und der Krankenversicherung (Behandlungspflege) sind unterschiedlich, je nach Wohnort ausgestaltet. Unserer Meinung nach, müssen die Leistungsumfänge und die damit verbundenen Finanzierungsverantwortlichkeiten identisch ausgestaltet sein. Dann können die Pflegebedürftigen und deren Angehörigen das Pflegearrangement wählen, das passt. Zu berücksichtigen ist dabei immer, dass sich im Laufe der Zeit die Passungsfragen ändern können – und in der Regel auch ändern. Ein Unfall oder eine Krankheit kann aus einer guten häuslichen Pflegesituation ein nicht mehr passendes Versorgungssetting machen. Dann muss schnell ein Wechsel, beispielsweise in eine stationäre Einrichtung möglich sein, ohne dass sich durch die Leistungen der Pflegeversicherung Nachteile für die Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen entstehen. Daher plädiert der DEVAP für ein echtes Teilkaskosystem der Pflegeversicherung, bei dem nur ein fester Eigenanteil gezahlt wird. Die Kostenunterschiede verbleiben dabei bei den Pflegekassen.

3. Welche Maßnahmen sollte aus Ihrer Sicht die neue Bundesregierung treffen, um diese Diskriminierung zu beseitigen?

Das eben erwähnte echte Pflegeteilkaskomodell ist ein wichtiger Schritt in die Diskriminierungsfreiheit durch die Reduktion des individuellen Kostenrisikos einer Pflegebedürftigkeit. Mit dem echten Pflegeteilkaskomodell wird dem Pflegebedürftigen ein wirkliches, mit Kaufkraft versehenes Pflegebudget zur Verfügung gestellt. Das ermöglicht den lange geforderten Qualitätswettbewerb zwischen den Anbietern, da die Preisunterschiede nicht mehr zu Lasten der Pflegebedürftigen bzw. deren Angehörigen gehen. Damit könnte übrigens die Politik die von ihr immer wieder geforderten Lohnsteigerungen der Mitarbeitenden in der Pflege ermöglichen, ohne dass es einem Eingriff in die Tarifautonomie bedarf.  Zudem müssen die Sektorengrenzen zwischen ambulant und stationär aufgehoben werden. Dafür ist auch notwendig, dass die Kosten der Behandlungspflege ambulant wie stationär von den Krankenkassen vergütet werden. Bisher ist dies nur in der ambulanten Pflege der Fall.

4. Welchen Mehrwert bietet der Zukunftstag ALTENPFLEGE für die Pflegebranche und was erwarten Sie persönlich von dem Zukunftstag ALTENPFLEGE?

Der Zukunftstag Altenpflege bietet den Akteuren der Altenpflege die Möglichkeit, an einem Ort an drei Tagen die zentralen Zukunftsfragen zu bearbeiten und zu diskutieren. Da keine der Fragen solitär bearbeitet werden kann, bedarf es eben solcher Schmelztiegel, um umfassende und zusammenhängende Antworten zu formulieren bzw. entsprechende Formulierungsvorschläge zu entwickeln.

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